
Jens Block, Hoteldirektor Ibis Styles Tübingen
Wie blicken Sie aus beruflicher Sicht auf die Fußball-WM 2026: als Umsatzchance oder zurückhaltend?
Die Anstoßzeiten sind aus meiner Sicht der entscheidende Punkt. Bei den deutschen Vorrundenspielen hatten wir mit 19 Uhr und 22 Uhr noch Glück. Spiele um drei oder vier Uhr nachts sind für die Gastronomie natürlich deutlich schwieriger. Insofern rechnen wir mit weniger Umsatz als bei den letzten EMs oder WMs.
Als Hotel mit Sportsbar haben wir allerdings einen Vorteil. Unsere Übernachtungsgäste müssen abends das Haus nicht mehr verlassen, wenn sie ein Spiel in Gesellschaft sehen möchten. Hinzu kommt, dass wir ein internationales Publikum haben. Bei einer Weltmeisterschaft gibt es deshalb fast immer Gäste, die sich für eine bestimmte Partie interessieren, auch wenn sie aus deutscher Sicht vielleicht nicht im Mittelpunkt steht.
Wie läuft die WM bei Ihnen organisatorisch ab?
Unsere Sportsbar öffnet ab 15 Uhr. Normalerweise haben wir bis etwa Mitternacht geöffnet, manchmal auch bis 1 Uhr. Innen haben wir rund 120 Plätze, draußen auf der Terrasse etwa 50. Dort stehen zwei Fernseher, bei Regen müssen sie allerdings abgebaut werden. Dann schauen die Gäste innen weiter.
Die Spiele um 22 Uhr zeigen wir, Partien in den Nachtstunden übertragen wir nicht. Am nächsten Tagen Wiederholungen zu zeigen, ist für uns ebenfalls kein Thema, weil die Ergebnisse durch die Medien und Social Media ohnehin längst bekannt sind.
Wir werden den Bereich passend zur WM gestalten, mit Fahnen der teilnehmenden Nationen, Spielplan und einer kleinen Aktionskarte. Kulinarisch orientieren wir uns ein Stück weit am Gastgeberland USA, also zum Beispiel mit Barbecue-Gerichten, Pulled-Beef-Burgern, Spare Ribs, Pitchern oder Loaded Nachos.
Ist die Hotelbar bei Fußballspielen eher mit Hotelgästen oder mit externen Besuchern besetzt?
Ich würde sagen: etwa 20 Prozent Hotelgäste und 80 Prozent externe Gäste. Wir liegen nur fünf Minuten zu Fuß von der Innenstadt entfernt, außerdem ist Tübingen eine Studentenstadt. Außer uns gibt es zudem nur noch ein paar wenige kleine Sportsbars. Bei Bundesliga oder Champions League ist der Laden deshalb oft mit auswärtigen Gästen voll.
Ich rechne aber nicht damit, dass die Bar während der WM grundsätzlich voller sein wird als sonst. In Tübingen wird es draußen einige Public Viewings geben. Bei gutem Wetter gehen viele vermutlich lieber dorthin. Wenn es regnet, haben wir natürlich einen Vorteil.
Welche Rolle spielen Kosten, Lizenzen und Bevorratung bei Ihrer Planung?
Bei den Übertragungsrechten haben wir eine gute Ausgangslage, weil wir bereits eine Sky-Sportsbar-Lizenz haben. Magenta bietet zwar keine klassische Business-Lösung an, kooperiert aber mit Sky. Dadurch ist das Zeigen der WM-Spiele für uns mit inbegriffen.
Bei der Bevorratung planen wir nicht außergewöhnlich. Wir haben grundsätzlich genug Ware im Haus und werden einmal pro Woche von guten regionalen Lieferanten beliefert. Der Grundstock reicht für unseren Betrieb in der Regel aus.
Sind kleinere Formate wie eine Sportsbar bei dieser WM vielleicht attraktiver als klassisches Public Viewing?
Das kommt auf die Perspektive an. Natürlich ist die Stimmung bei einem großen Public Viewing mit 5.000 Menschen noch einmal eine andere. Das hat schon seinen eigenen Reiz. Gleichzeitig ist so ein Format deutlich aufwendiger und wetterabhängiger. Ab einer Größenordnung von 300 Teilnehmenden kommen außerdem zusätzliche Themen wie Lizenzgebühren, Sicherheit und Organisation dazu.
Bei uns ist es entspannter. Die Gäste kommen rein, können Fußball schauen, etwas essen und trinken, und für uns ist der Aufwand gut einzuschätzen. Für mich persönlich passt das ebenfalls sehr gut, weil ich selbst Fan bin. Wenn Not am Mann ist, stehe ich auch selbst an der Bar. Dann fachsimpele ich mit den Gästen gerne über Fußball und genieße so nebenbei das Spiel.
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