
„Anspruchsvolle Kunden sind nicht lästig, sondern eine Chance“
Knapp 40 Jahre dabei – und noch immer mit Spaß unterwegs: Günter Hofbauer, Regional Sales Manager Süd-/Bayern, zeigt, dass Leidenschaft und trockener Humor oft die besten Vertriebsstrategien sind
Herr Hofbauer, im kommenden Jahr sind Sie unglaubliche 40 Jahre im Unternehmen. Nehmen Sie uns doch bitte mal mit an den Anfang.
Gerne. Ich habe zunächst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht und war anschließend zwei Jahre angestellt, bevor es für 15 Monate zur Bundeswehr ging.
Dann entdeckte ich 1986 eine Stellenanzeige: Sachbearbeiter Großküchentechnik bei BLANCO gesucht, wie es damals noch hieß. Ein Thema, von dem ich damals wirklich gar keine Ahnung hatte. Aber genau das hat mich neugierig gemacht! Danach war ich zehn Jahre im Innendienst des Unternehmens beschäftigt.
Heute sind Sie mit Leib und Seele Außendienstler. Wie kam es dazu?
Man muss sich das so vorstellen: Bis dato war ich noch in einem Außenbüro in Dachau tätig, das weitgehend unabhängig vom Standort Oberderdingen agierte. Als dieser Standort aufgelöst wurde, war erst – zack – mein Schreibtisch weg, und dann saß ich in einem Firmenwagen mit dem Auftrag: „Jetzt mach mal!“ (lacht)
Wie hat sich der erste Tag im Außendienst angefühlt?
Als müsste ich aus einer geschützten Blockhütte rein in den schneidenden Schneesturm. (lacht) Zum Glück bescherten mir meine Kunden ein warmes Willkommen. Da haben sich die Kenntnisse, aber eben auch die Kontakte aus zehn Jahren Innendienst wirklich bezahlt gemacht.
Was denken Sie: Welche ist die größte Herausforderung im Außendienst?
Grundsätzlich ist es die Umstellung auf einen Arbeitsalltag, den man komplett selbst strukturieren muss. Viele jüngere Kolleginnen und Kollegen haben mich schon gefragt: „Wie organisierst du dich eigentlich? Wie planst du Monat, Woche, Tag?“ Im Innendienst gibt es einen festen Rahmen – morgens PC an, abends PC aus. Im Außendienst fällt diese klare Linie weg. Plötzlich sitzt du im Homeoffice und musst sehr bewusst trennen, was privat und was beruflich ist. Diese Freiräume erst einmal zu definieren und dann sinnvoll zu füllen, fand ich spannend.
Unterscheidet sich der Markt in Bayern eigentlich von dem im Rest der Republik?
Nein, die Bedürfnisse und Nöte sind eigentlich deutschlandweit gleich. Wobei Bayern natürlich das tollste Bundesland mit dem leckersten Essen, der schönsten Landschaft und den nettesten Leuten ist. Regionale Trends sehe ich nicht. Aber Sie bringen mich auf eine Idee: Vielleicht gestalten wir mal eine Ausgabetheke mit weiß-blauem Rautenmuster?
Welche Veränderungen empfanden Sie in den vergangenen vier Jahrzehnten als besonders einschneidend?
Das irre Tempo, in dem unsere Arbeitswelt mittlerweile unterwegs ist. Ich sage immer, ich bin ein lebendes Fossil. Früher hatten wir noch Telex-Streifen – Fax gab es noch nicht einmal. Heute werden Informationen und Aufgaben in Sekunden per Mausklick verteilt.
Welche berufliche Erfahrung hat Sie besonders geprägt?
Positiv geprägt hat mich mein erster Chef in der damaligen Verkaufsniederlassung bei BLANCO – der Mann, der mich seinerzeit eingestellt hat. Ich war damals noch jung und gern mal mürrisch, wenn Kunden Wünsche äußerten, die über das Übliche hinausgingen. Gerade bei Lieferzeiten gab es oft Diskussionen.
Einmal wollte ein Kunde unbedingt am nächsten Tag eine kleine Menge GN-Behälter haben. Unsere LKWs hätten aber erst in der kommenden Woche wieder unterwegs sein sollen. Für mich war klar: keine Chance, und ich blockte ab. Der Kunde verlangte dann den Chef – und zu meiner Überraschung drückte der mir einfach die Autoschlüssel in die Hand: „Fahren Sie nach Neu-Ulm und bringen Sie dem Kunden die Ware.“ Immerhin 100 Kilometer einfache Strecke. Ich sagte zu ihm: „Wenn wir solche Extrawürste machen, steigen doch die Erwartungen immer weiter!“
Seine Antwort: „Diese Leistung bekommt der Kunde nirgendwo sonst. Genau dadurch machen wir uns für ihn unverzichtbar.“
Das hat mein Denken komplett verändert. Anspruchsvolle Kunden sind nicht lästig, sondern eine Chance. Engagierte Leistung macht uns wertvoll für unsere Geschäftspartner. Das habe ich verinnerlicht – und danach richte ich mich bis heute.
Ist es diese Einstellung, die die Kunden und Geschäftspartner an Ihnen schätzen?
Das denke ich, ja. Es grenzt ja schnell an Selbstbeweihräucherung, über eigene Stärken zu sprechen. Ich bin aber schon der Meinung, dass meine Einsatzbereitschaft von meinem Umfeld wahrgenommen und honoriert wird. Ein weiteres Pfund, mit dem ich wuchern kann, ist sicher Kontinuität. Für eine Kundenbeziehung gibt es kaum etwas Schädlicheres als ständig wechselnde Ansprechpartner. Nächstes Jahr werde ich seit 40 Jahren in diesem Beruf unterwegs sein. Für meine Kunden bin ich Berater, Problemlöser und „Watschenbaam“ in einem – soll heißen, wenn nötig stecke ich auch schon mal die verbalen Prügel ein. Ich pflege mit vielen ein fast schon freundschaftliches Verhältnis. In einer so schnelllebigen Zeit ist das etwas Einzigartiges. Und genau das macht eben den entscheidenden Unterschied.
Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?
Einen „typischen“ Arbeitstag gibt es bei mir nicht, das macht den Reiz aus. Jede Woche sieht anders aus. Ein großer Teil meiner Zeit fließt in Büroarbeit, also Planungen, Zeichnungen und Angebotsrecherchen.
In der Fachhandelsbetreuung basiert vieles auf einem gewachsenen Vertrauensverhältnis, dort sind Gespräche meist entspannt. Daneben gibt es Beratungsbedarf in Schulen, Senioreneinrichtungen & Co. und natürlich die Reklamationsbearbeitung – oft der Erstkontakt mit Endkunden. Darauf kann man sich nur fachlich vorbereiten, denn man weiß nie, welchem Menschentyp man begegnet. Stimmungslagen deuten, Situationen einschätzen, eine Beziehung aufbauen – das hat eine stark psychologische Komponente.
Richtig spannend wird es aber „an der Front“. Ich liebe zum Beispiel Messen, also dieses Gefühl, im Rampenlicht zu stehen und permanent abliefern zu müssen. Da fühle ich mich unglaublich wohl.
Das klingt abwechslungsreich – und herausfordernd. Was motiviert Sie jeden Tag aufs Neue?
Für mich ist es die Kontinuität – und der Versuch, genau dieses Prinzip in einer schnelllebigen Zeit lebendig zu halten. Außerdem motiviert mich der Zusammenhalt mit Kolleginnen und Kollegen. Der Austausch untereinander, gerade wenn der Wind mal rauer pfeift, tut gut. Allein die Frage: „Wie geht’s dir momentan?“ zeigt, dass man eingebunden ist in ein großes Ganzes. Das Gefühl, ein einsamer Wolf zu sein, muss man unbedingt ablegen – sonst wird man seltsam. Ich bin kein Einzelkämpfer, mein Erfolg ist immer Teamleistung.
Und dann ist da noch dieser persönliche Maßstab: Wie viele Kunden konntest du heute wirklich zufriedenstellen? Wenn ich nach einem Telefonat auflege und denke: Ja, dem hast du gut helfen können – dann hebt das die Stimmung sofort. Aber wenn nicht, leide ich wie ein Hund. Eine Reklamation wiegt für mich schwerer als zehn zufriedene Kunden. Es ist diese Mischung aus Anspruch und Verantwortung, die mich motiviert.
Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich zu Ihrem intensiven Arbeitsalltag?
Ich sitze bis zu 40.000 Kilometer jährlich im Auto – da braucht man zwingend einen Gegenpol. Für mich steht die Familie an erster Stelle. Ich bin Gott sei Dank glücklich verheiratet, habe zwei wunderbare Töchter und Zwillingsenkeltöchter, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Außerdem mag ich es, mit einem Glas spanischen Rotwein in der Hand auf unserer Terrasse zu sitzen. Klingt spießig – ist es auch. Und ich liebe es! (lacht)
Dann gibt es noch unseren Hund. Lange Spaziergänge oder Wanderungen tun einfach gut. Und, nicht zu vergessen: meine Oldtimer-Leidenschaft. Amerikanische Modelle, ich habe selbst zwei Stück. Treffen, Benzingespräche oder Ausfahrten über Land – das beschert mir echte Glücksmomente.
Sie sind nun 62 Jahre alt. Freuen Sie sich auf die Rente?
Zugegeben, es ist sehr herausfordernd, was uns allen gerade abverlangt wird. Diese permanenten Katastrophenmeldungen, die Stimmung, die Schwere – das macht etwas mit einem. Ich würde mir mehr Glaube an die Zukunft, mehr Leichtigkeit wünschen.
Auch unser Markt ist schwieriger geworden. Es gibt wenig Geld für Investitionen, und entspannter wird es wohl nicht. Insofern: Ja, ich freue mich durchaus auf meinen Ruhestand. Ich werde mich dann ein bisschen in die Rolle des Beobachters zurückziehen – wie einer von den zwei Alten auf dem Balkon in der Muppetshow.
Und natürlich soll die Familie zukünftig eine größere Rolle spielen. Meine Enkelinnen sehe ich viel zu selten. Jemand hat mal gesagt: Großvater zu sein ist die letzte große Aufgabe im Leben eines Mannes. Dieser Aufgabe möchte ich mich stellen – ob meine Familie will oder nicht! (lacht)
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