
„Kinder sind die anspruchsvollsten Gäste“
Kitakoch Fabian Dietrich hat auf seinen Social-Media-Kanälen mehr als 69.000 Follower und über 1,1 Millionen Likes gesammelt. Warum der 35-Jährige heute lieber für Mini-Gourmets als im Sterne-Restaurant am Herd steht, verriet er im Interview mit B.PRO
Fabian, Du gibst auf Instagram und TikTok Einblicke in Deinen Arbeitsalltag als Kitakoch. Das Interesse an deiner Arbeit als Content Creator ist riesig. Umso erstaunlicher, dass sich vor Dir noch niemand ernsthaft daran versucht hat.
In vielen Einrichtungen ist Handynutzung während der Arbeitszeit tabu. Dazu kommt bei potenziellen Creatoren oft die Angst vor Kritik – und ein Imageproblem, das der Gemeinschaftsverpflegung noch immer anhaftet. Sie gilt als wenig kreativ oder anspruchsvoll. Anders als in der gehobenen Küche gibt es hier keinen Espuma-Schaum, sondern einen klaren Fokus auf Alltagstauglichkeit – und aus Ressourcengründen auch den Einsatz einzelner Fertigprodukte.
Mir war wichtig zu zeigen, wie meine Arbeit aussieht und mit welchem Anspruch hier gekocht wird. Kita-Köche leisten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Kindern. Mein Arbeitgeber steht hinter dem, was ich mache, und die Eltern freuen sich, dass ich bei ihren Kindern Neugier für Ernährungsthemen wecke. Wenn Social Media hilft, mehr Verständnis und Wertschätzung zu schaffen, ist das für alle ein Gewinn.

Du hast in sehr unterschiedlichen Küchen gearbeitet – von der Sterneküche bis zum Seniorenheim. Was hat Dich letztlich überzeugt, in der Kita zu bleiben?
Mehrere Dinge. Zum einen ganz pragmatisch: Als ich vor vier Jahren nach Berlin gezogen bin, war mir wichtig, Wochenenden und Feiertage mit meiner Familie verbringen zu können. Der Job in der Kita ist im Verhältnis zu den Arbeitszeiten gut bezahlt – und lässt sich mit dem Familienleben vereinbaren.
Dazu kommt Social Media. Das macht mir großen Spaß, und in meiner jetzigen Kita kann ich das ausleben. Vor allem aber sind Kinder die ehrlichsten Gäste, die man haben kann. Zweimal pro Woche koche ich mit zwei Gruppen. Die Kleinen sind neugierig und sagen sehr klar, wenn ihnen etwas nicht schmeckt. Das erdet – und verändert den eigenen Blick auf Essen, Verantwortung und den Beruf.
Für mich sind Kinder die anspruchsvollsten Gäste überhaupt. Ihnen etwas mitzugeben – über Geschmack, Ernährung und Wertschätzung – macht diesen Job für mich besonders.
Was unterschätzen Außenstehende an der Arbeit als Kitakoch am meisten?
Die persönliche Ebene. Ich habe nicht nur anonyme Zahlen vor mir, sondern koche für kleine Menschen, die ich jeden Tag sehe.
Ich kenne jedes Kind mit Namen, weiß, was es mag, was es nicht verträgt und wo besondere Aufmerksamkeit nötig ist. Gleichzeitig sind die Erwartungen an das Essen hoch, während die Budgets begrenzt sind. Diese Verantwortung und dieser Spagat werden von außen oft unterschätzt.

Welche Kompromisse sind im Alltag unvermeidbar – und wo ziehst Du eine klare Grenze?
Kompromisse lassen sich im Kita-Alltag nicht vermeiden, deshalb ist die Abstimmung mit den Eltern entscheidend. Ich bin in vielen Punkten die ausführende Hand und muss unterschiedliche Erwartungen, Budgets und Vorgaben berücksichtigen.
Wichtig ist uns die Priorisierung. Ich versuche, so viele frische Zutaten wie möglich einzusetzen. In bestimmten Situationen greift man auch auf Hilfsmittel wie Brühwürfel zurück. Bei Fisch, Fleisch und Eiern achten wir bewusst auf Bio-Qualität. Gleichzeitig müssen es nicht immer Markenprodukte sein – bei Grundnahrungsmitteln wie Nudeln leisten Eigenmarken das Gleiche und Markenprodukte stehen in keinem Verhältnis zu ihrem Preis.
Was kann gesunde Ernährung im Rahmen einer Kita bewirken?
Sehr viel. Ernährung wirkt sich direkt auf Wohlbefinden, Konzentration und Entwicklung aus. Mir ist wichtig, abwechslungsreich zu kochen und früh ein Verständnis für gesunde Ernährung zu vermitteln – gerade weil sie das nicht alle von zu Hause mitbringen.
Dabei wende ich auch mal kleine Tricks an. Gemüse kann man fein püriert wunderbar unter die Soße schmuggeln, oder ich schnippele es ganz klein in einen Auflauf. Manchmal funktioniert es auch genau andersherum: Gemüse bewusst groß lassen.
Wie reagierst Du, wenn Gerichte abgelehnt werden – und was funktioniert überraschend gut?
Brokkoli kommt – je nach Tagesform – erstaunlich gut an, genau wie Erbsen und Möhren. Rohkost geht fast immer, also Eisbergsalat mit Joghurt-Dressing, Gurke, Tomate oder Paprika.
Besonders gut klappt es, wenn Kinder selbst aktiv werden. In einer Projektwoche zum Thema Japan haben wir zum Beispiel Sushi gemacht – nicht als reguläres Kita-Mittagessen, sondern als gemeinsames Kocherlebnis. Ich habe Reis vorgekocht, die Kinder haben geschnitten, belegt und gerollt. Gerade zwei Kinder, die sonst sehr wählerisch sind, waren plötzlich begeistert dabei.

Welche Bedeutung hat Selbstwirksamkeit in der Kita-Küche?
Eine sehr große. Wenn Kinder selbst etwas herstellen, probieren sie es fast immer auch. Sie sind stolz auf das, was sie gemacht haben, und gehen ganz anders mit dem Essen um.
Was übrig bleibt, dürfen sie oft mit nach Hause nehmen und zeigen. So kommt das Thema Ernährung automatisch in die Familien. Die Rückmeldungen zur Koch-AG sind durchweg positiv – von den Kindern, aber auch von den Eltern.
Wie kann man Kinder darüber hinaus stärker einbinden?
Schon bei der Menüplanung. Die Kinder malen Plakate mit ihren Lieblingsgerichten oder einzelnen Zutaten. Daraufhin kann man besprechen, was machbar ist und was nicht.
Auch bei der Ausgabe lassen sich Kinder gut einbeziehen: Tisch decken, sich selbst schöpfen, Verantwortung übernehmen. Die Kinder lernen, ihren Hunger besser einzuschätzen, nicht gleich zu viel auf den Teller zu laden und auch an andere zu denken. So entsteht ganz nebenbei ein Bewusstsein für Eigenverantwortung, Teilen und Food Waste.
Welche Erlebnisse mit den Kindern sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Die Mutter eines Mädchens wollte ihm eigentlich ein langes Wochenende gönnen. Aber die Kleine bestand darauf, in die Kita zu gehen, weil wir freitags gemeinsam kochen. Das ist doch eine tolle Anerkennung! Für manche meiner Kita-Kinder ist es auch ein Ritual, meine Videos vor dem Zubettgehen zu gucken und so das Mittagessen und dessen Herstellung noch einmal nachzuvollziehen.
Eher mit Grausen erinnere ich mich an das erste Mal Kartoffelschälen. Damals haben sich gleich fünf Kinder geschnitten…
.jpg&w=3840&q=75)
Fabian Dietrich auf Social Media:
TikTok: Fabian | der Kitakoch 👨🍳 (@fabianderkitakoch)
Instagram: Fabian (@fabianderkitakoch)
B.PRO auf der INTERNORGA 2026Ausgezeichnete Automation und neue Lösungen für Ausgabe, Rücklauf und Transport: Vom 13. bis 17. März 2026 zeigt B.PRO in Hamburg, wie sich zentrale Prozesse der Gemeinschaftsverpflegung effizient und praxisnah gestalten lassen.
Mehr Sicherheit am SpeisenverteilbandMit der SmartTray ID digitalisiert B.PRO die Portionierung auf Basis patientenspezifischer Daten. Das reduziert Interpretationsspielräume und erhöht die Prozessstabilität – ausgezeichnet mit dem NEXT of Market Award 2026.
Zwischen Bolognese und BowlsWas essen Arbeitnehmende wirklich gerne? Eine aktuelle Auswertung von Sodexo zeigt, welche Gerichte 2025 in deren Einrichtungen besonders gefragt waren. Eine Erkenntnis: Der Begriff des Klassikers wird zunehmend neu interpretiert.
