
Sebastian Holy, Betriebsleiter und Küchendirektor von WildparkTaste – Made by Traube Tonbach, dem Caterer des Karlsruher SC im BBBank Wildpark
Herr Holy, wie erleben Sie aus beruflicher Sicht die Fußball-WM 2026?
Für uns spielt die WM 2026 im Veranstaltungskalender nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ein öffentliches Event ist nicht geplant. Wir catern lediglich ein internes Public Viewing für Geschäftspartner des KSC.
Rund 160 Gäste konnten gemeinsam Fußball schauen und den Abend zum Netzwerken nutzen. Dazu gab es ein unkompliziertes Catering mit Bratwurst, Currywurst und einer veganen Alternative.
Warum geht dieses Event aus Ihrer Sicht so unter? Eigentlich ist es ja eine Steilvorlage für die Gastronomie, um darauf mehr Umsatz zu generieren.
Auf den ersten Blick stimmt das natürlich: Eine Fußball-WM im Sommer klingt zunächst nach einer guten Vorlage für die Gastronomie. Eigentlich hätte man gutes Wetter, volle Außenbereiche und viele Menschen, die gemeinsam Fußball schauen möchten. In diesem Fall sprechen die Rahmenbedingungen aber eher dagegen.
Der entscheidende Punkt sind die Uhrzeiten. Für deutsche Verhältnisse liegen viele Spiele sehr ungünstig. Was bei lauem Sommerwetter tagsüber oder am frühen Abend gut funktionieren würde, findet dann teilweise erst spätabends oder mitten in der Nacht statt. Das verändert die Kalkulation erheblich.
Viele Kolleginnen und Kollegen aus der Gastronomie fragen sich deshalb sehr nüchtern: Warum soll ich um 22 Uhr noch Fernseher aufbauen, wenn ich vielleicht nur bis 23 Uhr ausschenken darf? Hinzu kommen Kosten für Technik, mögliche Leihgeräte, zusätzlicher Personalaufwand und das tägliche Auf- und Abbauen. Auch das Risiko ist nicht zu unterschätzen. Wenn acht Fernseher im Außenbereich stehen, gehen im Zweifel zwei kaputt oder es kommt ein Regenguss dazwischen.
Gibt es noch weitere Faktoren?
Sobald es sich um eine öffentliche Veranstaltung handelt, kommen außerdem Lizenzgebühren hinzu. Dazu braucht es je nach Format Genehmigungen der Stadt, etwa für den Ausschank oder die Nutzung des Außenbereichs. Auch das Thema Lärmschutz spielt eine große Rolle. In Karlsruhe etwa wird das sehr streng gehandhabt. Wenn um 23 Uhr Schluss ist, dann ist um 23 Uhr Schluss. Da steht im Zweifel eine Minute später die Polizei da und die Veranstaltung ist beendet.
Unter diesen Voraussetzungen überlegen sich viele Gastronomen sehr genau, ob sich der Aufwand wirklich lohnt. Fußball-Veranstaltungen wie die WM haben grundsätzlich Potenzial, aber sie müssen auch organisatorisch, wirtschaftlich und rechtlich in den Betrieb passen.
Sind Sie selbst in WM-Stimmung?
Wenn Deutschland spielt und ich frei habe, schaue ich mir das Spiel sicher an. Aber insgesamt muss ich sagen: Die WM läuft ziemlich an mir vorbei. Auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist sie kaum Thema.
Das liegt sicher zum einen an den späten Anstoßzeiten. Dadurch entsteht gar nicht erst der Impuls, sich in eine Bar oder in einen Biergarten zu setzen. Zum anderen haben die FIFA und einige Austragungsorte bei vielen Menschen keinen besonders guten Ruf. Auch das dämpft die Vorfreude.
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele die Spiele eher zu Hause schauen. Man lädt ein paar Freunde ein, macht vielleicht ein kleines Barbecue, kauft Wein oder Bier, und jeder bringt etwas mit. Das ist gemütlich – und auch noch günstiger, gerade in diesen Zeiten, wo viele auf jeden Euro schauen müssen.
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